Die journalistische Form der Theorie
Die Zeitschrift ›alternative‹ 1958–1982

Wallstein, Göttingen 2021, 415 Seiten
ISBN 978-3-8353-5010-6

Ihre Inhalte sollten »Folgen« haben: Mit diesem Anspruch entwickelte sich eine kleine Literaturzeitschrift zu einem vielbeachteten Medium für die Theorie-Diskussionen der Geisteswissenschaften um ›68‹. In Westberlin von der Germanistin Hildegard Brenner herausgegeben, wurde die alternative zu einem Ort für intellektuelle Entdeckungen und Wiederentdeckungen: Die rot-schwarzen »Arbeitshefte« brachten ästhetische Traditionen aus der Zeit der Weimarer Republik und des Exils neu ans Licht, führten in die Theorien des Westlichen Marxismus ebenso ein wie in den französischen Strukturalismus und die feministische Psychoanalyse, dokumentierten literaturpolitische Auseinandersetzungen in Ost und West und beobachteten die sozialen Bewegungen ihrer Zeit.

Die Zeitschrift sah sich als Teil einer »Revolte im Überbau« – bis im linken Krisenjahrzehnt der 1970er Jahre vermehrt das Scheitern an den Hoffnungen und Ansprüchen von ›68‹ zum Thema der alternative wurde. Die Studie rekonstruiert und vergleicht die Arbeit der Redakteurinnen und Redakteure im Kontext der Medien- und Ideengeschichte der Neuen Linken und zeigt, wie die »journalistische Form« des Publizierens in Zeitschriften zu einem wichtigen Faktor der Bildung und Selbstbildung einer politisch-intellektuellen Generation wurde.

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»Das Buch ›Die journalistische Form der Theorie. Die Zeitschrift ›alternative‹ 1958–1982‹ dokumentiert wesentliche Aspekte der Ideengeschichte von ›68‹ – und trägt damit auch zum Verständnis der bundesrepublikanischen Gegenwart bei.«
Tanja Röckemann, Neues Deutschland vom 5.2.2022
 
»Deutlich wird in Neuffers Studie, die auch ausgedehnte Ausflüge zur französischen Nouveau Gauche und englischen New Left unternimmt, dass Zeitschriften auch besondere journalistische Formen kultivierten. In den sechziger Jahren waren dies die Dokumentation, durch die Tatsachen politisiert wurden, und später das Interview, mittels dessen sich komplizierte Theorien für ein breiteres Publikum übersetzen ließen.«
Ulrike Baureithel, Tagesspiegel vom 22.12.2021

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Bücher im Gespräch

Episode 7: Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung

Im Podcast des ZfL spricht Moritz Neuffer mit Barbara Picht über sein Buch.

 

Medienecho

28.03.2022
Neuffer: Die Zeitschrift »alternative«, 1958–1982; Göttingen 2021

Rezension auf: rosalux.de, 28.3.2022

16.03.2022
Mit Voltaire zu den Seeräubern von heute

Sammelrezension von Erhard Schütz, in: Der Freitag 11 (2022)

05.02.2022
Raus aus der Klasse, zurück in die Klasse

Rezension von Tanja Röckemann, in: Neues Deutschland, 5.2.2022, 19

22.12.2021
Kampf und Klasse

Moritz Neuffer widmet sich der Geschichte der linken Theoriezeitschrift »alternative«. Rezension von Ulrike Baureithel, in: Tagesspiegel, 22.12.2021, 23

03.12.2021
Auf dem Weg zum Markt für Marx

Nicht ohne einen Vatermord: Zwei aufschlussreiche Bücher widmen sich Zeitschriften der Neuen Linken. Sammelrezension von Jörg Später, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 282 (3.12.2021), 12